Elisabeth Koeppe
Journalistin, Autorin, Texterin

Mein Lieblingsrätsel der Woche

gesendet am 22.01..2020 | 15.10 Uhr | rbbKultur

Wir beginnen mit - Text. Diesem hier. Und dieser Text bin ich. Oder ich bin - Text? Hier ein Wort und da ein Wort und in der Ecke des Blattes harte Worte, hie und da Verschlungenes und an anderen Stellen leicht Versponnenes. Da hat jemand ein bisschen herum gesponnen - so sagt man. Nein, es muss keine Spinne sein. Und doch ist die Spinne die Mutter aller Textereien. Sie spinnt ihre Netze. Und der Mensch sieht, dass es gut ist. Sieht später in sich hinein und sieht, dass es auch das gut ist. Gut sein soll! Sieht es und tut es. Sieht da einen Anfang und dort ein Ende und noch eins. Und wird all diese Enden zu einem Ganzen fügen. Es muss kein Ende sein, es kann ein Sack sein. Oder eine - Seilschaft. Ja, dieses Wort hat keinen guten Klang. Der bessere Mensch ist ein Netzwerker und tut doch nichts anderes als der Seilschafter. Manchmal muss es das richtige Wort sein. Der Text geht so oder so - einfach weiter oder im Kreis oder breitet sich aus und muss am Ende einen Abschluss haben. Hie und da darf gar das Fett mitspielen, wenngleich auch hier Muskeln gern den Ton angeben. Ja, auch der Ton kann ein Wirkmeister sein und bestrickend schöne Tonfreunde zusammensuchen, auf dass Ohren das Konstrukt, das eines wie ich ist, nicht ausschließen, sondern selig empfangen. Es ist ein Stoff in der Welt. Und die Welt ist Stoff. Und die menschliche Spinne spinnt ihn fort. Auf dass die Hirne der Welt zu einem werden. Auch das bin ich. Weltweiter Text. Welten weites Bild. Weltweite Nachricht. Weltweite Verstrickung. Bis jemandem dies Treiben zu bunt wird. Trennen, schneiden, Lügen und Intrigen heimlich in die Texturen fügen. Die Spinne ist weit. Maschen viele. Stiche auch. Na, was bin ich?