Elisabeth Koeppe
Journalistin, Autorin, Texterin

Mein Lieblingsrätsel der Woche

gesendet am 15.11.2019 | 15.10 Uhr | Kulturradio vom rbb

„Durch Deutschland muß ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. (…) alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen…“ Dieser herzogliche Wunsch von 1997 durfte kein Ruckeln werden. Sondern ein echter Ruck. Wir aber verlegen uns auf eine - Ruckelei. Auf ein sanftes Verrücken der Position. Ich mag es. Das ist meine ureigene Profession. Der Ruck darf gehen. Ich bevorzuge – den Schock. Keine Angst, mein Schock ist kurz und mit großartigen Lustgefühlen verbunden. Kaum ist der Schock auf der einen Seite entronnen, schwebt der nächste ein. Der Gegenüber-Schock. Und weiter geht’s. Ich empfehle, den Schwerpunkt zu ermitteln. Dann verlagern. Den Schwerpunkt. Und natürlich den Schockerzeuger. Ein Titel, den ich gern dem Körper des Menschen gebe, der sich mit mir dieser Schocktherapie unterzieht. Sitzt da am tiefsten Punkt, bewegt sich hin zum Aufhängepunkt, um in den Momenten des schockhaften Stillstandes eine Umkehr zu erzeugen. Und weiter geht’s. Stehen ist gut und ab und an auch mal ne Hocke. Ich lasse vieles zu. Sogar den Salto. Der nur Stangenunterstützt zu vollführen sei, ansonsten drohe kein erneuter Schock, dafür ein Sturz, in die Tiefe. Was keiner will. Mensch ersehnt – das Fliegen. Kein böses co2-Fliegen, sondern ganz aus eigener Kraft. Und sei es nur ein Hin- und Herfliegen ist. Von Schockpunkt zu Schockpunkt. Ich nenne es nunmehr - ganz mir gemäß - schockeln. Dies Geschockel will nicht das Land erfassen, fordert selten ein Opfer und nur - Glücksmomente. Selige Kinderzeit: mit geschlossenen Augen und Gekreisch in lichte Höhen. Und am Ende des Fontanejahres ein heimeliges Effi-Briest-Gefühl. Es bedarf nur des Anstoßes. Bis zum ersten Schock. Na, was bin ich?