Elisabeth Koeppe
Journalistin, Autorin, Texterin

Mein Lieblingsrätsel der Woche

gesendet am 17.02.2020 | 15.10 Uhr | rbbKultur

Ich war jung. Wie Du und Du da draußen. Und wäre bass erstaunt, wie Ihr heutzutage den Liebeswahnsinn in die Tonne tretet. Vergleichen wir: Mein Zeitalter war das der Empfindsamkeit. Der verbotenen Wünsche. Wir tauchten in die fiebrigen Abgründe der Seele. Meine Wahlheimat. Beinahe. Da war man nicht angepisst oder down low, da war man unendlich und beinahe unsagbar traurig. Traurig, weil die Wege der Liebe in Sackgassen endeten. Wir waren nicht sozialtot, weil wir nicht twitterten und uns nicht bei Instagram verstellten. Es war, als die Mädchen noch Maid oder Jungfer hießen. Als wir tanzten und nicht dancten. Wir tanzten also – sie und ich. Und sie sagte: „Es ist hier so Mode, dass jedes Paar, das zusammengehört, beim Deutschen zusammenbleibt.“ Und der Deutsche war ein Tanz. Sonst nichts. Wir tanzten – im seligen Einverständnis. Aber – ich sagte es schon – Empfindsamkeit und Fieber. Ich begehrte sie. Ich war total weggebeamt – in Eurer Sprache – ich träumte – von ihr – bei Tag und bei Nacht. Unerfüllte Träume. So schön. So unendlich schön. Wie sie. Die das Brot schnitt, sorgsam Stück für Stück – für jedes der kleinen Geschwister, denen sie Mutter war. Ach, ich wäre so gern auch so ein Bruder gewesen. Wenigstens das! Doch dieser brave Mensch – war eher da. Da nutzte es nichts, dass sie und ich, dass wir - gemeinsam an Klopstock dachten, dass wir seelenverwandt waren. Dass wir gemeinsam chillen konnten. Ja natürlich, wir nannten das einfach – entspannen. Und nein, das konnten wir leider nicht.  Nicht entspannen. Nur die Abzugsbügel spannen. Und dann los. Keine Ferrero-Küsschen. Echte Kugeln. Und ich – mega bluepill – also mehr als verrückt – spacte ab. For ever. Totgeliebt. Heute würdet Ihr vielleicht sagen: Chill‘ mal Deine Basis, Alda! Na, wer war ich?