18. Jan. 2026

Diktatur? – Rundumsorglospaket? – wir hatten uns alle lieb? – unsere DDR

Auch ich erliege bisweilen einer Art von Würdigung des untergegangenen Landes, genannt DDR, welche es mir im milden Licht erscheinen lässt. Es gibt so vieles über dieses Land zu sagen, so dass ich beschlossen habe, einige meiner Lebensabschnitte dort näher zu betrachten. Gleichzeitig streite ich mit Gleichaltrigen, die regelmäßig die DDR mit ihrer Jugend verwechseln, wenn es um deren Betrachtung geht. Es ist neuerdings eine Schwärmerei im Gange, auch hier in diversen Gruppen auf Facebook, welche mich fragen lässt: Habt Ihr wirklich alles vergessen? Ja, ok, es war die Jugendzeit! Die haben wir zumeist – ich nicht – in guter Erinnerung. Und wenn die in der DDR stattfand, ist sie eben dort gut gewesen. Die Jugend. Ich halte dagegen und sage: Vergiss nicht, wenn auch die DDR eine Art „gemütliche“ Diktatur war, dass wir einen Schießbefehl, zerfallende Städte, bankrotte Betriebe, politische Indoktrination in unvorstellbarem Ausmaß von der Wiege bis zur Bahre und – letztlich das wichtigste – ein eingehegtes Gebiet mit Mauern um uns herum hatten, um das wundervolle sozialistische Experiment abzusichern. Die DDR war behäbig, sozial, übersichtlich und vor allem überschaubar, die DDR war – bis auf die Grenze und den Schießbefehl – nicht wirklich gefährlich, man wusste ja genau, wie weit man gehen konnte, im wahrsten Sinne des Wortes. Und trotzdem habe ich, ab einer bestimmten Zeit, jeden Morgen zu Peter, meinem Mann, und mir selbst gesagt: Ich hasse diesen Staat so sehr, das tut mir schon körperlich weh! Deshalb muss ich hier raus, koste es, was es wolle. – Es hat uns viel gekostet. Es hat uns unsere Beziehung gekostet. Also fast alles. Heute denke ich manchmal, dass wir vielleicht besser in Leipzig geblieben wären. Da man nie weiß, was dann geschehen und ob es tatsächlich besser gewesen wäre, ist es egal. Es gibt keine zweite Chance, ein Leben zu wiederholen. Spekulationen sind nur – Spekulation. Mich hat die DDR gelehrt, was ich auf keinen Fall noch einmal will: Ein weiteres sozialistisches Experiment.

Foto: Peter Cäsar Gläser und Elisabeth Gläser in unserer Leipziger Küche ca. 1985.


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